"Das sieht aus wie ein Puffauto - damit fahre ich nicht" - Fristlose Kündigung!

 

Zum Sachverhalt:

Die beklagte Kaffee-Firma hat sich entschieden, die Firmenfahrzeuge optisch zu verändern. Die neuen Motive zeigten nackte, aus Kaffeebohnen herausragende Frauenbeine mit halb ausgezogenen roten Pumps. Als dann noch die bislang grauen gegen neue rote Radkappen ausgetauscht wurden, kam es zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber zu einem Streitgespräch. In dessen Verlauf äußerte sich der klagende Arbeitnehmer dahingehend, mit einem solchen "Puffauto" keine Geschäfte mehr tätigen zu wollen. Die Beklagte hat das Arbeitsverhältnis am 30.6.2015 fristlos, hilfsweise fristgerecht gekündigt. Gegen beide Kündigungen richtet sich die vom Kläger beim Arbeitsgericht Mönchen-gladbach erhobene Klage.

Das Urteil des Arbeitsgerichts Mönchengladbach:

Die Klage gegen die fristlose Kündigung hatte Erfolg, diejenige gegen die hilfsweise, ordentliche Kündigung hingegen nicht.

  1. Nach Auffassung des Gerichts hat der Arbeitgeber grundsätzlich im Rahmen seines Direktionsrechts die Möglichkeit, einem Arbeitnehmer ein nach seinen Vorstellungen gestaltetes Fahrzeug zuzuweisen. Jedoch hat das Gericht die außerordentliche Kündigung für unverhältnismäßig gehalten. Zum einen, weil es an einer vorherigen Abmahnung fehlt, mit der der Kläger für den Wiederholungsfall auf Konsequenzen für den Bestand seines Arbeitsverhältnisses hingewiesen wurde. Zum anderen hat die Kammer bei der stets erforderlichen Abwägung der Interessen der Parteien dem Interesse des Klägers an der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses den Vorrang eingeräumt, insbesondere im Hinblick auf die lange Betriebszugehörigkeit von fast zwanzig Jahren, in der es bisher keine Beanstandungen gab.
  2. Die ordentliche Kündigung ist wirksam. Sie war nicht auf ihre soziale Rechtfertigung hin zu überprüfen. Das Kündigungsschutzgesetz findet nämlich keine Anwendung, da die Beklagte als Kleinbetrieb nicht die erforderliche Anzahl von Mitarbeitern beschäftigt.
  3. Die Kündigung verstößt nach Auffassung des Gerichts nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Die Beklagte hat den Kläger nicht wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt. Dass die Homosexualität des Klägers das Motiv der Beklagten für die Zuweisung des Fahrzeugs war, konnte das Gericht nicht feststellen.

 

Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 14.10.2015 - 2 Ca 1765/15

 

 

Mitgeteilt von

Rechtsanwalt Karl-Peter Reul

Fachanwalt für Arbeitsrecht

 

 

 

 

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